
Auch in diesem Jahr haben uns wieder chilenische Gäste besucht. Im Rahmen unserer Kooperation mit der Organisation Schule:Global durften wir Josefa, Sofía und Emilia von der Deutschen Schule Osorno für zwei Monate an unserem Gymnasium willkommen heißen.
Sie kamen am 15. Dezember am Paderborner Bahnhof an und wurde herzlich von ihren Gastfamilien empfangen. Die Freude über das erste persönliche Kennenlernen war groß. Viele hatten zuvor schon online Kontakt gehabt, sich über WhatsApp oder Videochat ausgetauscht – und nun standen sie sich endlich „in echt“ gegenüber.


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In der ersten Woche ging es gemeinsam mit den Gastschülerinnen und ihren Gastfamilien zum traditionellen Adventskonzert unserer Schule – ein festlicher Einstieg in eine spannende Zeit. Auch ein Besuch auf dem Paderborner Weihnachtsmarkt durfte nicht fehlen. Hier waren auch Schüler:innen aus dem Projektkurs der Q2 dabei, die im vergangenen Sommer fünf Wochen in Concepción verbracht hatten. Es gab leuchtende Augen angesichts der geschmückten Stadt, der festlichen Atmosphäre und all der kleinen Weihnachtstraditionen, die bei uns eine große Rolle spielen. „Bei uns in Osorno ist es zu Weihnachten Hochsommer – wir feiern natürlich auch, aber nicht so festlich und stimmungsvoll wie hier. Die ganzen Lichter, die Musik – das ist eine ganz neue Erfahrung für mich,“ erzählte Josefa beindruckt.

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In den Weihnachtsferien waren die Schülerinnen mit ihren Gastfamilien unterwegs – sei es beim Skifahren in Österreich oder bei Familienfeiern und Ausflügen in der Umgebung. Alle waren sich einig: Es wurde viel unternommen, viel gelacht – und auch viel voneinander gelernt. Luisa Kuhlmann erzählt: „Nach Weihnachten waren wir im Skiurlaub in Österreich, wo Sofía jeden Tag mit uns Ski gefahren ist, was sie auch sehr gut konnte. Außerdem hat sie ihren Geburtstag hier gefeiert – mit einer Übernachtungsparty mit den anderen Mädchen – und wir waren mit der ganzen Familie im Zirkus Flic Flac in Bielefeld. Dann waren wir noch an den Externsteinen und sind am letzten Tag gemeinsam Essen gegangen.“



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Auch sehr sportlich ging es bei Familie Butt zu. Janina Butt berichtet: „Während Emilias Austauschzeit haben wir tolle Erlebnisse gesammelt. Wir sind mit dem Zug durch NRW gefahren und haben schöne Orte angeschaut. Wir waren Eislaufen, in einer Trampolinhalle und haben ein Fußballstadion besucht. Da wir beide großes Interesse an Leistungssport haben, haben wir viel trainiert, Spiele angeschaut und sind mit meinen Brüdern zu ihren Wettkämpfen gereist. In dieser Zeit ist Emilia ein richtiger Teil unserer Familie geworden – der Austausch war eine großartige Erfahrung, die uns beiden sicher noch lange in Erinnerung bleiben wird.“
Auch der Schulalltag spielte eine wichtige Rolle: Die chilenischen Schülerinnen nahmen am Unterricht teil, begleiteten ihre Gastschülerinnen in verschiedene Kurse und waren besonders im Spanischunterricht eine echte Bereicherung. In Chile läuft der Unterricht deutlich anders ab – mehr in Form von Vorlesungen, weniger interaktiv. Das kooperative Arbeiten und die aktive Beteiligung in unserer Schule fanden sie spannend und motivierend.
Auch der öffentliche Nahverkehr war für viele neu: Die drei Schülerinnen sind tatsächlich zum ersten Mal in ihrem Leben mit dem Zug gefahren – in Chile gibt es nur sehr begrenzten Bahnverkehr. Umso größer war die Begeisterung, wie einfach man in Deutschland von einer Stadt in die nächste kommt.
Ein echtes Highlight war der Ausflug nach Köln in der letzten Woche des Aufenthalts: Gemeinsam mit Frau Nolte und ihren deutschen Gastschwestern ging es auf den Kölner Dom – Turmbesteigung inklusive – und in die Altstadt. Zum Abschluss gab’s jede Menge Spaß im Pop-Up-Candy-Museum, wie unser obiges Beitragsbild zeigt.



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Ein Blick über den Tellerrand – Osorno und Paderborn im Vergleich
Osorno liegt im Süden Chiles, in der Region Los Lagos – mit rund 140.000 Einwohnern etwa so groß wie Paderborn. Doch während bei uns im Dezember der Schnee rieselt (manchmal zumindest), ist in Osorno Hochsommer. Weihnachten wird dort zwar gefeiert, aber ohne Weihnachtsmärkte, Lichterketten und Adventskalender. Für unsere Gäste war es eine völlig neue Erfahrung, wie intensiv und traditionell das Fest hier begangen wird.
Auch im Alltag gibt es Unterschiede: In Osorno bewegen sich viele Menschen mit dem Auto oder Bus fort – Züge spielen kaum eine Rolle. Die Stadt ist stark von spanischen und indigenen Einflüssen geprägt, während Paderborn mit seinen historischen Bauwerken, dem Dom und der mittelalterlichen Altstadt eine andere Atmosphäre ausstrahlt.
Ein Gewinn für beide Seiten
Was aber in beiden Städten gleich ist: Offenheit, Gastfreundschaft und Neugier auf andere Kulturen. Das Zusammenleben mit den Gastfamilien hat wunderbar funktioniert – auf beiden Seiten wurde viel gelacht, erzählt und geteilt.
Familie Franzen berichtet: „Wir haben den Schüler:innenaustausch als eine große Bereicherung für beide Seiten erlebt. Durch ihre sehr freundliche und unkomplizierte Art hat sich unsere Gastschülerin sehr schnell und sehr gut in die Familie integriert und war für die zwei Monate ein echter Teil der Familie. Die beiden Mädchen haben viele Freunde besucht, Städte besichtigt und sind gemeinsam ins Fitnessstudio gegangen.“
„Auch die Verbindung zu Chile wurde enger“, sagt Frau Franzen. „Mit der Familie von Josefa waren wir in einer gemeinsamen WhatsApp-Gruppe in stetigem Austausch und haben sie als sehr offen, freundlich und herzlich erlebt.“ Und weiter erzählt Herr Franzen: „Der Schüleraustausch war auch eine sehr gute Gelegenheit, Dinge zu unternehmen, die man sonst gerne aufschiebt. Da Josefa vor dem Eintreffen in Paderborn schon viele deutsche Städte besucht hatte, haben wir mit ihr Touren nach Belgien, in die Niederlande und nach Luxemburg gemacht. Es war für sie spannend, auf so kleinem Raum so viele Länder und Sprachen zu erleben. Auch die Musicalbesuche – zum Beispiel bei Starlight Express – waren ein Highlight.“
Zum Schluss heißt es: „Wir waren erstaunt, wie schnell die zwei Monate vergangen sind und es schon wieder Abschied nehmen hieß. Unsere Tochter freut sich sehr auf den Gegenbesuch in Osorno im Sommer – und auf viele spannende Eindrücke, die dort auf sie warten.“
Am 18. Juni fliegen Luisa (9a), Janina (EF) und Jana (Q1) am 18.06 über Madrid und Santiago de Chile nach Osorno. Nach einer Flugdauer von 21 Stunden werden sie Josefa, Sofía und Emilia wiedersehen und gemeinsam knapp zwei Monate in Chile leben.
Wir als Schule haben die chilenischen Schülerinnen als sehr freundlich, interessiert und engagiert erlebt – es war wirklich eine große Freude, mit ihnen zu arbeiten! Wir freuen uns schon auf unseren nächsten Besuch aus Chile.
Text/Fotos: M. Delgado
Hintergrund:
Das Goerdeler-Gymnasium wurde im Januar 2022 mit dem Siegel Schule:Global ausgezeichnet und 2025 erfolgreich rezertifiziert.
Das Siegel wird an Schulen verliehen, die im Bereich internationaler Austausch, interkulturelle Kompetenz und Diversität aktiv sind oder es werden wollen. Mit der Verleihung des Siegels wird die Schule Teil eines Netzwerkes, in dem Synergien für mehr Austausch geschaffen werden.
Schule:Global ist eine Initiative des AJA Arbeitskreis gemeinnütziger Jugendaustausch und wird gefördert durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ).