Den Wald nicht nur aus dem Lehrbuch kennenzulernen, sondern ihn als lebendiges Ökosystem zu erleben; dazu hatte der Biologie-Leistungskurs bei einer Exkursion rund um Dahl Gelegenheit. Gemeinsam mit Förster Wiegand erkundeten die Schülerinnen und Schüler verschiedene Waldflächen und erhielten spannende Einblicke in die Folgen des Klimawandels, die natürliche Waldentwicklung und die nachhaltige Bewirtschaftung unserer Wälder. 

Zu Beginn führte Herr Wiegand den Kurs zu einer Fichtenkalamitätsfläche. Als Kalamität bezeichnet man das großflächige Absterben von Waldbeständen, in diesem Fall von Fichten, die infolge langanhaltender Trockenheit und des anschließenden Borkenkäferbefalls abgestorben sind. Besonders interessant war dabei die Entscheidung des Waldbesitzers, auf eine künstliche Wiederaufforstung zu verzichten und stattdessen auf die natürliche Verjüngung des Waldes zu setzen. Zwischen zahlreichen Ebereschen als typischen Pioniergehölzen wachsen dort bereits Birken, Buchen, Bergahorne und junge Fichten heran. So konnten die Schülerinnen und Schüler unmittelbar beobachten, wie sich Schritt für Schritt ein neuer Wald entwickelt. 

Ein besonderes Highlight der Exkursion ließ nicht lange auf sich warten: Auf der offenen Fläche entdeckte Herr Wiegand einen Neuntöter. Der auffällige Singvogel bevorzugt strukturreiche, sonnige Landschaften mit einzelnen Sträuchern und Hecken. Das ist ein Lebensraum, wie ihn Kalamitätsflächen in den ersten Jahren nach dem Absterben der Fichten bieten können. Die Beobachtung verdeutlichte eindrucksvoll, wie dynamisch sich Lebensräume verändern und welche Chancen sich daraus für viele Tierarten ergeben. 

Im Anschluss führte die Exkursion in einen Landesforst von Wald und Holz NRW. Dort erklärte Herr Wiegand anschaulich die Besonderheiten von Misch-, Eichen- und Buchenwäldern sowie die Grundsätze einer nachhaltigen Forstwirtschaft. Immer wieder wurde deutlich, dass der Wald weit mehr ist als ein Bestand von Bäumen: Er ist Lebensraum für unzählige Arten, speichert Kohlenstoff, schützt Boden und Wasser, liefert den nachwachsenden Rohstoff Holz und dient vielen Menschen als Ort der Erholung. Anschaulich erläuterte Herr Wiegand dabei auch die drei Funktionen des Waldes – die Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktion –, die bei einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung gleichermaßen berücksichtigt werden müssen. 

Für den Biologie-Leistungskurs war die Exkursion eine wertvolle Ergänzung zum Unterricht. Viele ökologische Zusammenhänge konnten direkt vor Ort nachvollzogen werden und auch die Bestimmung verschiedener Baumarten wurde unter fachkundiger Anleitung praktisch eingeübt. Darüber hinaus erhielten die Schülerinnen und Schüler einen authentischen Einblick in die vielfältigen Aufgaben von Försterinnen und Förstern sowie Forstwirtinnen und Forstwirten. 

Ein herzlicher Dank gilt Förster Wiegand für die engagierte und informative Führung, die eindrucksvoll gezeigt hat, wie eng Ökologie, Naturschutz und nachhaltige Nutzung unserer Wälder miteinander verbunden sind. 

Text / Fotos: U. Nowak-Borgmeier