In einer Feierstunde wurde das Goerdeler-Gymnasium am Freitag, den 12. Juni offiziell zur „mitarbeitenden UNESCO-Projektschule“ ernannt. Mit der Auszeichnung wird unser langjähriges Engagement für Frieden, Menschenrechte, Demokratie, kulturelle Vielfalt und Nachhaltigkeit gewürdigt. Die Schule ist nun vollwertiges Mitglied im nationalen Netzwerk der UNESCO-Projektschulen, dem bundesweit rund 300 Schulen angehören.

Feierlicher Auftakt mit musikalischen Akzenten

Den Auftakt der Veranstaltung gestaltete die Big Band ausdrucksstark mit dem Stück „Gateway March“ von Eric Osterling. Anschließend begrüßten Schulleiterin Manuela Ziemer und ihr Stellvertreter Stephan Hauk die Gäste aus Schule, Politik, Kooperationspartnern und dem UNESCO-Netzwerk.
In ihrer Ansprache betonte die Schulleitung, dass die Aufnahme in das Netzwerk das Ergebnis eines gemeinsamen Prozesses sei. Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler sowie Eltern hätten über Jahre hinweg Projekte entwickelt und Strukturen geschaffen, die den Werten der UNESCO entsprächen und diese mit Leben füllen. Die Zertifizierung sei nicht der Abschluss eines Weges, sondern vielmehr ein Auftrag, das Engagement weiter auszubauen: „UNESCO-Schule zu sein bedeutet weit mehr als einen Titel zu tragen. Es bedeutet, Haltung zu zeigen und Verantwortung zu übernehmen – für unser Zusammenleben, für unsere Gesellschaft und für die Zukunft.“

Anerkennung durch Politik und Bildungsvertreter

Die Bedeutung der Auszeichnung wurde auch durch die Teilnahme zahlreicher Ehrengäste unterstrichen. Die stellvertretende Bürgermeisterin Sabine Kramm überbrachte die Glückwünsche und den Dank der Stadt Paderborn. Sie würdigte das Goerdeler-Gymnasium für seine Arbeit und als Schule, die Verantwortung und Demokratie aktiv lebe.
Auch Landrat Christoph Rüther gratulierte der Schulgemeinschaft. Das Engagement der Schule zeige beispielhaft, wie Bildung auf aktuelle und globale Herausforderungen vorbereiten könne. Die Arbeit junger Menschen an den 17 globalen Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen, zu der sich UNESCO-Projektschulen verpflichten, sei zentral für die Zukunft.

Vor der Urkundenübergabe ordnete Karl Hußmann, der Landeskoordinators der UNESCO-Projektschulen in Nordrhein-Westfalen, die Auszeichnung in den größeren Zusammenhang des UNESCO-Netzwerks ein: „Da Kriege im Geist der Menschen entstehen, muss auch der Frieden im Geist der Menschen verankert werden.“ Dieser Leitsatz aus der Verfassung der UNESCO, formuliert nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges im Jahr1945, fasst das Ziel der UN-Organisation zusammen: Durch Bildungspraxis und internationale Zusammenarbeit zu einer Kultur des Friedens, Menschenwürde, Demokratie, Weltoffenheit und einer nachhaltigen Entwicklung beizutragen. Das internationale UNESCO-Schulnetzwerk, das bereits 1953 unter Beteiligung Deutschlands gegründet wurde, sei eines der konkreten Instrumente der UNESCO, um dieses Ziel zu erreichen. Wenn man bedenke, dass es in Deutschland rund 42.000 Schulen gebe und nur 300 davon Projektschulen seien, dann seien das nicht viele. „Aber es geht auch nicht um eine große Zahl, sondern um wirklich engagierte Schulen, die mit Wissen, Herz und Mut für den Schutz der Demokratie eintreten.“
Hußmann machte deutlich, dass die Aufnahme als „mitarbeitende Schule“ ein wichtiger Meilenstein für das Goerdeler sei. In Deutschland erfolgt die Aufnahme in drei Stufen: von der interessierten über die mitarbeitende Schule bis zur anerkannten UNESCO-Projektschule im internationalen Netzwerk.

Gelebte Werte unter dem Dach des UNESCO-Netzwerkes
In einem von Schulentwicklungskoordinator Sebastian Niggemann moderierten Paneltalk gaben Schüler:innen, Lehrkräfte, Eltern und Vertreter:innen aus dem UNESCO-Netzwerk Einblicke in die langjährige Arbeit der Schule, in der die Werte der UNESCO gelebt werden. Das UNESCO-Netzwerk sei wie das große Dach, unter dem die vielfältigen Projekte und Aktivitäten am Goerdeler-Gymnasium zusammengefasst werden können. Etwa die Bereiche aus den Netzwerken Schule der Vielfalt und Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage, das Engagement als Digitale Schule und das umfangreiche FörderprogrammErasmus+.
Ende 2023 hatte sich die Schule dann offiziell um die Aufnahme in das Netzwerk der UNESCO-Projektschulen beworben. Bereits im Status als „interessierte Schule“ beteiligte sie sich aktiv an regionalen Netzwerktreffen, gemeinsamen Aktionen zu internationalen Gedenk- und Aktionstagen und gestaltete für Netzwerkschulen ein UNESCO-Schülercamp in der Wewelsburg.

Poetry Slam, Musik und Begegnungen zum Abschluss
Einen eindrucksvollen Akzent setzte der Poetry-Slam-Beitrag von zwei Schülerinnen der Einführungsphase. Mit persönlichen und gesellschaftskritischen Texten wie „Mut tut gut“ griffen sie die Themen Verantwortung, Toleranz, Zukunftsängste und Hoffnung auf.

Für den musikalischen Schlusspunkt sorgte erneut die Big Band unter dem Dirigat von Frau Dr. Keikutt-Licht mit einer Interpretation von Adeles „Rolling in the Deep“. Nach dem Festakt nutzten zahlreiche Gäste die Gelegenheit, bei frischen Waffeln und Getränken aus dem Angebot der Schüler:innengenossenschaft „Fairer Handel Goerdeler“ miteinander ins Gespräch zu kommen. Auch die Leihausstellung des Kreismuseums Wewelsburg „Haftgrund §175 – Vergessene Schicksale des KZ Niederhagen“ konnte unter Anleitung durch Schüler:innen-Guides besucht werden.


Text: N. Lamberty-Freckmann
Fotos: I. Lehnert, N. Lamberty-Freckmann



Zum Hintergrund:
Das internationale Netzwerk der UNESCO-Projektschulen besteht in Deutschland aus rund 300 Schulen, davon 52 in NRW. Vertreten sind dabei alle Schulformen, bisher war noch keine Schule aus dem Hochstift dabei.
Der Weg zu einer international anerkannten UNESCO-Projektschule verläuft über drei Stufen (interessierte, mitarbeitende, anerkannte Schule) und dauert mindestens vier bis sechs Jahre.

UNESCO-Projektschulen arbeiten curricular und extracurricular in der Schule und an außerschulischen Lernorten für eine Kultur des Friedens und eine nachhaltige Entwicklung in den folgenden sechs Bereichen:

— Menschenrechts- und Demokratiebildung
— Interkulturelles Lernen und Zusammenleben in Vielfalt
— Bildung für nachhaltige Entwicklung
— Global Citizenship Education
—Chancen und Risiken im digitalen Zeitalter
— Welterbebildung

Die UNESCO-Projektschulen in Deutschland arbeiten eng zusammen und profitieren vom weltweiten Austausch mit über 11.500 UNESCO-Projektschulen in 182 Ländern.
Die Projektschulen tragen zur Umsetzung der Agenda 2030 der UNO bei und sehen sich den 17 SDGs (Sustainable Development Goals) besonders verpflichtet. Konkret geht es dabei darum, wie Ungerechtigkeiten bekämpft, die Klimakatastrophe verhindert und die Welt zu einem lebenswerten und gerechten Ort für alle gemacht werden kann.

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